Genuß - Was im Körper passiert, wenn wir genießen
Genuss ist aktive Gesundheitsvorsorge, den Genuss ist eine Voraussetzung für gesunde Verdauung, hormonelle Balance und Regulation
In der Weihnachtszeit sprechen wir viel über Essen: was gesund ist, was schwer im Magen liegt, was man besser meiden sollte. Was dabei häufig übersehen wird, ist ein entscheidender Faktor, der aus medizinischer Sicht mindestens genauso relevant ist wie die Auswahl der Lebensmittel selbst: der Zustand, in dem wir essen.
Genuss ist kein rein emotionales Konzept. Er beschreibt einen klar messbaren biologischen Zustand, in dem Nervensystem, Hormone und Verdauungsorgane optimal zusammenarbeiten. Moderne Medizin und Neurobiologie zeigen zunehmend, dass wie wir essen direkte Auswirkungen auf Verdauung, Stoffwechsel und Nährstoffaufnahme hat.
Genuss und das Nervensystem,
der Wechsel in den Ruhemodus
Unser autonomes Nervensystem besteht vereinfacht aus zwei Anteilen:
dem Sympathikus (Aktivierung, Stress, Leistung) und dem Parasympathikus (Ruhe, Regeneration, Verdauung).
Genuss aktiviert den Parasympathikus, insbesondere über den Vagusnerv, der eine zentrale Rolle für Magen-Darm-Funktion, Herzfrequenz und Atmung spielt. Studien zeigen, dass vagale Aktivität mit einer verbesserten Verdauungsleistung und einer effizienteren hormonellen Regulation einhergeht.
Wenn wir genießen:
- sinkt die Herzfrequenz
- die Atmung wird tiefer und langsamer
- der Körper registriert Sicherheit statt Alarm
Erst in diesem Zustand ist der Organismus bereit, Energie in Verdauung und Aufnahme zu investieren. Unter Stress wird Verdauung dagegen aktiv gehemmt.
Studienhinweis:
Porges, S. (2011). The Polyvagal Theory.
Der Zusammenhang zwischen Sicherheit, Parasympathikus und körperlicher Regulation ist gut beschrieben.
Verdauung funktioniert nur in Entspannung
Verdauung ist ein hochkomplexer Prozess, der präzise abgestimmte Abläufe benötigt. Magensäure, Verdauungsenzyme und Galle werden nicht automatisch ausgeschüttet, sie sind nerval und hormonell gesteuert.
Untersuchungen zeigen:
- Unter Stress sinkt die Magensäureproduktion
- die Ausschüttung von Pankreasenzymen wird reduziert
- die Darmbewegung verlangsamt sich
Genuss hingegen fördert:
- eine ausreichende Magensäuresekretion
- die Freisetzung von Enzymen und Galle
- eine gleichmäßige Darmperistaltik
Das erklärt, warum identische Mahlzeiten einmal gut vertragen werden und ein anderes Mal zu Völlegefühl, Blähungen oder Druck führen – abhängig vom inneren Zustand.
Studienhinweis:
Konturek et al. (2004). Brain-gut axis and its role in the control of food intake. Journal of Physiology and Pharmacology.
Genuss reguliert Stresshormone
Cortisol und Adrenalin sind wichtige Stresshormone, sie sichern kurzfristig Überleben, blockieren jedoch Verdauung. Bereits moderate psychische Anspannung reicht aus, um die Durchblutung des Magen-Darm-Trakts zu reduzieren.
Genuss wirkt dem entgegen:
- Cortisolspiegel sinken
- parasympathische Aktivität nimmt zu
- der Körper priorisiert Regeneration
Interessant ist: Stress blockiert Verdauung oft stärker als die Zusammensetzung der Mahlzeit selbst. Das erklärt, warum „perfekt gesunde“ Mahlzeiten unter Anspannung schlecht vertragen werden können.
Studienhinweis:
Chrousos, G. (2009). Stress and disorders of the stress system. Nature Reviews Endocrinology.
Sättigungshormone brauchen Genuss
Sättigung ist kein Willensakt, sondern ein hormonell gesteuerter Prozess. Hormone wie Cholezystokinin (CCK) und GLP-1 signalisieren dem Gehirn, dass ausreichend Nahrung aufgenommen wurde.
Diese Signale funktionieren nur zuverlässig, wenn:
- die Verdauung aktiv ist
- Nahrung ausreichend Zeit hat, verarbeitet zu werden
- Stresshormone niedrig sind
Studien zeigen, dass achtsames, genussvolles Essen mit einer besseren Sättigungswahrnehmung einhergeht und häufig zu einer geringeren Nahrungsaufnahme führt – ohne bewusste Restriktion.
Studienhinweis:
Albers et al. (2012). The influence of mindful eating on food intake and stress. Appetite.
Nährstoffe werden besser aufgenommen
Verdauung endet nicht im Magen-Darm-Trakt. Erst wenn Nährstoffe aufgenommen und ins Gewebe transportiert werden, erfüllen sie ihre Funktion.
Genuss verbessert:
- die Durchblutung der Darmschleimhaut
- die Transportleistung von Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren
- die Aktivität des enteralen Nervensystems
Eine entspannte Schleimhaut kann selektiver aufnehmen und schützt gleichzeitig besser vor Reizungen.
Genuss ist auch biochemisch messbar
Genuss setzt Botenstoffe frei, die weit über „gute Stimmung“ hinausgehen:
- Oxytocin fördert Sicherheit, soziale Bindung und parasympathische Aktivität
- Dopamin unterstützt Motivation und Lernprozesse, auch im Essverhalten
Diese Neurotransmitter beeinflussen direkt die Darm-Hirn-Achse. Der Darm reagiert messbar auf emotionale Sicherheit.
Studienhinweis:
Mayer, E. (2016). The Mind-Gut Connection. Harper Collins.
Fazit: Genuss ist ein physiologischer Zustand
Genuss fördert und unterstützt Gesundheit. Er beschreibt einen Zustand, in dem:
- das Nervensystem reguliert ist
- Hormone sinnvoll zusammenarbeiten
- Verdauung effizient abläuft
- Nährstoffe besser verwertet werden
Gerade in der Weihnachtszeit, mit viel Trubel und reichhaltigem Essen, ist Genuss ein zentraler Gesundheitsfaktor.
Wie wir essen, wo und mit wem ist oft genauso entscheidend wie was wir essen.
Bewusst genießen ist aktive Gesundheitsvorsorge 💖
Über die Autorin
Alexandra Buchmann ist Heilpraktikerin und spezialisiert auf funktionelle Medizin und Osteopathie. In ihrer Praxis in Wentorf begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität.
Kontakt aufnehmenInteressiert an einer persönlichen Beratung?
Erfahren Sie mehr über meine Leistungen und wie ich Sie auf Ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität unterstützen kann.
