Knochenstoffwechsel und Östrogen
die zentrale Rolle weiblicher Hormone für die Knochengesundheit
Der menschliche Knochen ist ein hochaktives, metabolisches Organ. Lebenslang unterliegt er einem dynamischen Umbauprozess („Remodeling“), bei dem sich knochenaufbauende Osteoblasten und knochenabbauende Osteoklasten in einem fein regulierten Gleichgewicht befinden. Eine der zentralen regulatorischen Größen dieses Prozesses ist das Hormon Östrogen.
Östrogen beeinflusst den Knochenstoffwechsel auf mehreren Ebenen. Es hemmt die Differenzierung und Aktivität der Osteoklasten, fördert deren Apoptose und moduliert zentrale Signalwege wie das RANK/RANKL/OPG-System. Gleichzeitig unterstützt es indirekt die Funktion der Osteoblasten. Das Ergebnis ist eine verminderte Knochenresorption bei stabiler Knochenneubildung. Solange ausreichend Östrogen vorhanden ist, bleibt die Knochenmasse weitgehend erhalten.
Mit dem Eintritt in die Perimenopause und Menopause sinkt der Östrogenspiegel deutlich. Diese hormonelle Umstellung führt zu einer gesteigerten Osteoklastenaktivität und damit zu einem beschleunigten Knochenabbau. In den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Menopause kann die Knochendichte um bis zu 20 % abnehmen. Dieser Prozess verläuft zunächst klinisch stumm, erhöht jedoch signifikant das Risiko für Osteopenie und Osteoporose sowie für Frakturen, insbesondere im Bereich von Wirbelsäule, Hüfte und distalem Radius.
Die pathophysiologischen Mechanismen sind gut untersucht. Studien zeigen, dass der Östrogenmangel zu einer vermehrten Expression proinflammatorischer Zytokine wie IL-1, IL-6 und TNF-α führt, die wiederum die Osteoklastenaktivität stimulieren. Darüber hinaus beeinflusst Östrogen die Kalziumhomöostase und die intestinale Kalziumaufnahme.
Neben der hormonellen Situation spielen weitere Faktoren eine entscheidende Rolle für die Knochengesundheit: Vitamin-D-Status, Vitamin K2, Magnesium, Proteinversorgung, körperliche Aktivität, Insulinresistenz, chronischer Stress sowie Schilddrüsenfunktion. Auch eine subklinische Entzündungsaktivität kann den Knochenabbau verstärken. Der Knochen ist somit nicht isoliert zu betrachten, sondern eingebunden in ein komplexes neuroendokrines und immunologisches Netzwerk.
In der funktionellen Labordiagnostik können neben Sexualhormonen auch Vitamin-D-Spiegel, knochenspezifische Marker (z. B. β-CrossLaps, P1NP), Entzündungsmarker und Mikronährstoffe differenziert erfasst werden. Diese Parameter ermöglichen eine individualisierte Prävention und Therapie, insbesondere bei Frauen mit frühem Östrogenabfall, Zyklusstörungen, hypothalamischer Amenorrhoe, postpartaler Phase oder familiärer Belastung.
Therapeutisch stehen, je nach individueller Situation, Lebensstilinterventionen, gezielte Nährstofftherapie, Bewegung mit mechanischer Belastung (Krafttraining), Stress-/Netvensystemregulation Z.B. mittels Osteopathie sowie gegebenenfalls eine differenzierte hormonelle Begleitung im Vordergrund.
Ziel ist es, das Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau zu stabilisieren und das Frakturrisiko langfristig zu senken 🫶
Gerade in der Frauenheilkunde zeigt sich, wie eng hormonelle Balance und strukturelle Integrität miteinander verbunden sind. Die Erhaltung der Knochengesundheit ist kein isoliertes Ziel, sondern Ausdruck eines regulierten Gesamtsystems.
Studien & wissenschaftliche Quellen
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→ Grundlegende Übersicht zur Rolle von Östrogen im Knochenstoffwechsel. -
Khosla S et al. Pathophysiology of age-related bone loss and osteoporosis. Endocrine Reviews. 2011;32(3): 1–36.
→ Detaillierte Darstellung der Mechanismen des postmenopausalen Knochenverlusts. -
Eastell R et al. Management of postmenopausal osteoporosis. Lancet. 2016;387: 1921-1936.
→ Klinische Relevanz, Diagnostik und Therapieoptionen. -
Cummings SR, Melton LJ. Epidemiology and outcomes of osteoporotic fractures. Lancet. 2002;359:1761-1767.
→ Epidemiologie und Frakturrisiko. -
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→ Zusammenhang zwischen Östrogenmangel, Zytokinen und Osteoklastenaktivität. -
Compston JE et al. Diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. BMJ. 2019;364:l104.
→ Aktuelle klinische Leitlinienperspektive.
Über die Autorin
Alexandra Buchmann ist Heilpraktikerin und spezialisiert auf funktionelle Medizin und Osteopathie. In ihrer Praxis in Wentorf begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität.
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