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Laboranalytik: Warum Mineralstoffdiagnostik ohne Schwermetalle unvollständig ist
Laboranalytik & Funktionelle Medizin28. Dezember 20258 Min. Lesezeit

Laboranalytik: Warum Mineralstoffdiagnostik ohne Schwermetalle unvollständig ist

Laboranalytik: Warum Mineralstoffdiagnostik ohne Schwermetalle unvollständig ist

Blog Mineralstoffanalyse

In der funktionellen und präventiven Medizin ist die Bestimmung von Mineralstoffen ein zentrales diagnostisches Instrument. In meiner Praxis kombiniere ich diese Analytik jedoch sehr häufig bewusst mit der Bestimmung von Schwermetallen. Der Grund dafür ist medizinisch gut begründet: Schwermetalle beeinflussen die Bioverfügbarkeit, Verteilung und Funktion essenzieller Mineralstoffe erheblich.

Ein Mineralstoffmangel ist nicht immer ein Zufuhrproblem. In vielen Fällen liegt eine gestörte Verwertung oder Regulation vor. Einer der wichtigsten und am häufigsten unterschätzten Einflussfaktoren sind Schwermetalle.

Eine isolierte Mineralstoffmessung kann daher zu Fehleinschätzungen führen. Trotz Substitution ist der Körper in solchen Fällen nicht oder nicht ausreichend mit Mineralstoffen versorgt. So entsteht schleichend ein chronischer funktioneller Mangelzustand. Auch wenn uns dieser nicht sofort völlig lahmlegt, spüren viele Menschen sehr deutlich, dass „etwas nicht stimmt“.

Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Stimmung wird instabiler, die Belastbarkeit sinkt, und wir erwachen morgens trotz ausreichender Schlafdauer müde und wenig erholt. Häufig kommen Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Infektanfälligkeit oder muskuläre Beschwerden hinzu.

Natürlich sind es nicht allein die Mineralstoffe, die unseren Organismus „in Gang halten“. Auch Hormone, Neurotransmitter und das autonome Nervensystem spielen eine zentrale Rolle für Wohlbefinden und Gesundheit. Mineralstoffe bilden jedoch das essenzielle Fundament, auf dem all diese Regulationssysteme aufbauen.

In der orthomolekularen Medizin gelten Mineralstoffe und Spurenelemente als unverzichtbare Cofaktoren für nahezu alle biochemischen Prozesse, unter anderem für:

  • die Aktivierung und Funktion von Enzymen
  • die Energieproduktion in den Mitochondrien
  • die Reizweiterleitung im Nerven- und Muskelsystem
  • die Regulation des Säure-Basen-Haushalts
  • die Hormon- und Neurotransmittersynthese
  • die Immunabwehr und Entzündungsregulation
  • die antioxidativen Schutz- und Entgiftungssysteme

Fehlen diese Bausteine oder stehen sie dem Körper funktionell nicht zur Verfügung, geraten ganze Stoffwechselketten aus dem Gleichgewicht – oft lange, bevor sich eindeutige Laborabweichungen oder manifeste Erkrankungen zeigen.


Biochemische Zusammenhänge zwischen Mineralstoffen und Schwermetallen

1. Konkurrenz um Transport- und Bindungssysteme

Essenzielle Spurenelemente (z. B. Zink, Eisen, Kupfer, Selen) und toxische Metalle (z. B. Cadmium, Blei, Quecksilber) nutzen teilweise identische oder verwandte Transportmechanismen im Gastrointestinaltrakt und auf zellulärer Ebene.

Beispiel:

  • Cadmium und Zink konkurrieren um Transportproteine (u. a. DMT-1, ZIP-Transporter) und Bindungsproteine wie Metallothionein.
  • Ein erhöhter Cadmiumstatus kann die zelluläre Zinkverfügbarkeit reduzieren, selbst bei scheinbar ausreichender Zinkzufuhr.

2. Funktionelle Verdrängung an Enzymen und Rezeptoren

Schwermetalle besitzen eine hohe Affinität zu Sulfhydryl-, Carboxyl- und Phosphatgruppen. Dadurch können sie:

  • essenzielle Metalle aus Enzymkomplexen verdrängen
  • katalytische Prozesse hemmen
  • Signaltransduktionen stören

Blei ist ein klassisches Beispiel, da es Calcium imitieren kann und calciumabhängige Prozesse (z. B. Neurotransmission, intrazelluläre Signalwege) beeinflusst.


3. Erhöhter Verbrauch schützender Mineralstoffe

Bei erhöhter Schwermetallbelastung reagiert der Organismus mit einer vermehrten Bildung von Bindungs- und Detoxifikationsproteinen (z. B. Metallothionein, Glutathion-Systeme).

Diese Prozesse sind mineralstoffabhängig:

  • Zink
  • Selen
  • Magnesium
  • Mangan

Das führt klinisch häufig zu einem sekundären funktionellen Mangel, auch wenn Laborwerte noch im Referenzbereich liegen.


Klinische Relevanz für die Praxis

Typische Konstellationen, bei denen eine kombinierte Diagnostik besonders sinnvoll ist:

  • Persistierende Mineralstoffmängel trotz Substitution
  • Unspezifische Symptome wie Fatigue, Konzentrationsstörungen, Muskelbeschwerden
  • Chronische Entzündungszustände
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Erhöhte oxidative Stressmarker

In diesen Fällen liefert erst die gemeinsame Betrachtung von Mineralstoffen und Schwermetallen ein schlüssiges Gesamtbild.


Analytisches Vorgehen

Ich arbeite hierbei mit Vollblut- bzw. definierten Spezialprofilen, da diese die intrazelluläre Versorgungssituation besser abbilden als reine Serumparameter. Die Analysen erfolgen mittels moderner ICP-MS-Methodik (Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry), die eine hohe Präzision und Sensitivität ermöglicht.


Partnerlabor

Die Laboranalysen erfolgen in Zusammenarbeit mit dem spezialisierten medizinischen Labor IMD Berlin, das seit vielen Jahren auf Mineralstoff- und Schwermetallanalytik fokussiert ist und standardisierte Profile für diese Fragestellungen anbietet.


Kosten (grobe Orientierung)

Die Laborkosten liegen, abhängig vom Umfang des Profils, zwischen 60–160 €.

Kombinierte Mineralstoff-/Schwermetallprofile sind in der Regel kosteneffizienter als Einzelbestimmungen.

Die Blutabnahme erfolgt direkt in meiner Praxis, die Laborabrechnung erfolgt über das Partnerlabor.


Fazit

Aus medizinischer Sicht ist die isolierte Betrachtung von Mineralstoffen häufig nicht ausreichend.
Schwermetalle können die Aufnahme, Verteilung und Funktion essenzieller Mineralstoffe erheblich beeinträchtigen und sind ein relevanter, oft übersehener Störfaktor.

Die kombinierte Diagnostik ermöglicht:

  • eine präzisere Ursachenanalyse
  • gezieltere therapeutische Strategien
  • und eine deutlich höhere klinische Aussagekraft

Damit wird aus einer reinen „Wertbestimmung“ eine funktionelle Laboranalyse mit therapeutischem Nutzen.

Über die Autorin

Alexandra Buchmann ist Heilpraktikerin und spezialisiert auf funktionelle Medizin und Osteopathie. In ihrer Praxis in Wentorf begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität.

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