Referenzwert ≠ optimaler Wert
Magnesium im Labor
Warum Referenzwerte nicht gleich optimale Werte sind
Magnesium ist eines der wichtigsten Mineralstoffe im menschlichen Körper – und gleichzeitig einer der am häufigsten unterschätzten Laborwerte. In der Praxis wird Magnesium im Rahmen von Routine-Laboruntersuchungen häufig gar nicht bestimmt. Wenn überhaupt eine Messung erfolgt, dann meist ausschließlich im Serum. Entsprechend hören Patient:innen nicht selten die Aussage:
„Ihr Magnesiumwert ist normal.“
Und dennoch bestehen Beschwerden, die klar für einen funktionellen Magnesiummangel sprechen.
Wie kann das sein?
Die Antwort liegt im Unterschied zwischen Referenzwerten und funktionell optimalen Werten.
Was misst das Labor tatsächlich?
In der klassischen Routinediagnostik wird nahezu ausschließlich das Serum-Magnesium bestimmt.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur etwa 1 % des gesamten Magnesiums im Blutserum zirkuliert. Über 99 % befinden sich intrazellulär, vor allem in Muskeln, Nerven, Knochen und Organen.
Der Körper hält den Serum-Magnesiumspiegel über komplexe Regulationsmechanismen möglichst konstant. Bei unzureichender Zufuhr wird Magnesium aus den Zellen und dem Knochen mobilisiert, um den Blutwert stabil zu halten. Ein scheinbar unauffälliger Serumwert kann daher bereits auf Kosten der zellulären Versorgung gehen.
Warum die Messung im Vollblut sinnvoll ist
Aus funktionell-medizinischer Sicht ist die Bestimmung von Magnesium im Vollblut oder in den Erythrozyten deutlich aussagekräftiger.
Diese Messungen erlauben eine bessere Einschätzung der intrazellulären Magnesiumverfügbarkeit und erfassen Mangelsituationen häufig früher als die reine Serumdiagnostik.
Eine Vollblutmessung ist insbesondere sinnvoll bei:
- anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung
- Muskel- und Nervensymptomen
- Stressbelastung
- hormonellen Dysbalancen
- persistierenden Beschwerden trotz „normaler“ Serumwerte
Magnesium und Schwermetalle
Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung von Zellmembranen und in zahlreichen enzymatischen Entgiftungsprozessen. Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Cadmium können diese Prozesse erheblich stören.
Schwermetalle konkurrieren mit Magnesium an zellulären Bindungsstellen, blockieren magnesiumabhängige Enzyme und erhöhen den Verbrauch von Magnesium. In der Praxis zeigt sich daher nicht selten ein funktioneller Magnesiummangel trotz ausreichender Zufuhr, solange eine relevante Schwermetallbelastung besteht.
Eine kombinierte Diagnostik kann sinnvoll sein bei:
- therapieresistentem Magnesiummangel
- neurologischen oder neuromuskulären Beschwerden
- chronischer Erschöpfung
- bekannter Umwelt- oder beruflicher Belastung
- entsprechender Vorgeschichte (z. B. Amalgam)
Was blockiert die Magnesiumaufnahme?
Ein Magnesiummangel entsteht nicht ausschließlich durch eine zu geringe Zufuhr, sondern häufig durch eine gestörte Aufnahme oder einen erhöhten Verlust.
Zu den relevanten Einflussfaktoren zählen:
- chronischer Stress
- hoher Konsum von Zucker, Alkohol oder Kaffee
- chronische Darmerkrankungen oder Reizdarmsyndrom
- Magensäuremangel oder langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern
- bestimmte Medikamente wie Diuretika oder hormonelle Kontrazeptiva
- ein ungünstiges Verhältnis von Calcium zu Magnesium
Selbst hochwertige Präparate können unter diesen Bedingungen ihre Wirkung nicht voll entfalten, wenn die zugrunde liegenden Faktoren unbeachtet bleiben.
Wann besteht ein erhöhter Magnesiumbedarf?
Der individuelle Magnesiumbedarf variiert erheblich und steigt in bestimmten Lebenssituationen deutlich an.
Ein erhöhter Bedarf besteht häufig bei:
- chronischer psychischer oder körperlicher Belastung
- intensiver sportlicher Aktivität
- Schwangerschaft und Stillzeit
- hormonellen Umstellungsphasen
- Schlafmangel
- akuten oder chronischen Entzündungen
- Infekten
- metabolischen Störungen wie Insulinresistenz
Auch die Einnahme von Vitamin D erhöht den Magnesiumbedarf, da dessen Aktivierung magnesiumabhängig ist.
Referenzbereich und funktionelle Zielwerte
Der übliche Referenzbereich für Serum-Magnesium liegt bei etwa:
- 0,7–1,1 mmol/l
Aus funktionell-medizinischer Sicht sind Werte im unteren Referenzbereich häufig bereits mit Symptomen assoziiert. Ziel ist eine Versorgung im oberen Referenzbereich, idealerweise ergänzt durch eine intrazelluläre Messung.
Entscheidend ist dabei nicht der isolierte Laborwert, sondern die Einordnung in den klinischen Gesamtkontext.
Fazit
Magnesium ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ein „normaler“ Laborwert keine optimale Versorgung garantiert. Erst die Kombination aus geeigneter Messmethode, funktioneller Interpretation, Berücksichtigung individueller Belastungen und der klinischen Symptomatik erlaubt eine realistische Einschätzung des Magnesiumstatus.
In der funktionellen Medizin stellen wir uns nicht die Frage:
„Ist der Wert noch im Referenzbereich?“
sondern:
„Ist dieser Wert optimal für die Gesundheit dieses Menschen?“
Über die Autorin
Alexandra Buchmann ist Heilpraktikerin und spezialisiert auf funktionelle Medizin und Osteopathie. In ihrer Praxis in Wentorf begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität.
Kontakt aufnehmenInteressiert an einer persönlichen Beratung?
Erfahren Sie mehr über meine Leistungen und wie ich Sie auf Ihrem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität unterstützen kann.
